Schmid


Schmid
Schmid
 
[ʃmiːt, ʃmɪt],
 
 1) Carlo, Völkerrechtler und Politiker, * Perpignan 3. 12. 1896, ✝ Bonn 11. 12. 1979; Rechtsanwalt, dann Richter, 1927/28 Referent am Kaiser-Wilhelm-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, 1940 Kriegsverwaltungsrat in Lille, 1946-53 Professor für Völkerrecht in Tübingen, seit 1953 für politische Wissenschaften in Frankfurt am Main; beteiligte sich nach 1945 in der französischen Besatzungszone führend am Aufbau des Landes Württemberg-Hohenzollern; er war dort u. a. 1947-48 stellvertretender Ministerpräsident Als Mitglied des Parlamentarischen Rates (1948-49) und Vorsitzende seines Hauptausschusses hatte er maßgeblichen Anteil an der Gestaltung des Grundgesetz. 1949-72 war er Mitglied des Bundestags (SPD), 1949-66 und 1969-72 Vizepräsident des Bundestages, 1963-66 Präsident der parlamentarischen Versammlung der WEU, 1966-69 Bundesminister für Angelegenheiten des Bundesrates und der Länder und 1969-79 Koordinator für die deutsch-französische Zusammenarbeit. Er setzte sich nachhaltig für die Integration Europas ein. - Schmid trat auch literarisch, v. a. als Übersetzer romanischsprachiger Autoren, z. B. C. Baudelaire, E. Rostand, P. Calderón de la Barca, N. Machiavelli und A. Malraux, hervor.
 
Werke: Die Rechtsprechung des Ständigen Internationalen Gerichtshofs in Rechtssätzen dargestellt (1932); Römisches Tagebuch (1946); Vom Reich der Freiheit. Schillers Vermächtnis (1955); Politik und Geist (1961); Der Weg des deutschen Volkes nach 1945 (1967).
 
Ausgabe: Gesammelte Werke in Einzelausgg., 2 Bände (1973).
 
 
P. Weber: C. S. 1896-1979. Eine Biographie (1996).
 
 2) Christoph von (seit 1837), Schriftsteller, * Dinkelsbühl 15. 8. 1768, ✝ Augsburg 3. 9. 1854; katholischer Theologe, Schulinspektor, Pfarrer, ab 1827 Domherr in Augsburg. Von seinem Freund J. M. Sailer angeregt, schrieb er Kinder- und Jugenderzählungen mit gemütvoll moralisierender Tendenz, deren Stoff er meist der Legenden- und Ritterwelt entnahm (z. B. »Genovefa. ..«, 1810); weit verbreitet (auch international) waren seine »Biblische Geschichte für Kinder« (6 Bände, 1801) sowie seine Erzählung »Die Ostereier« (1816); verfasste auch Lesebücher und erbauliche Schriften. Von ihm stammt das Weihnachtslied »Ihr Kinderlein, kommet«; seine »Erinnerungen aus meinem Leben« (4 Bände, 1853-57) sind kulturgeschichtlich bedeutsam.
 
Ausgaben: Das Denkmal des Jugendfreundes. Auswahl aus dem Lebenswerk, bearbeitet von A. Antz (1932); Erinnerungen und Briefe, herausgegeben von H. Pörnbacher (1968).
 
 
C. v. S. u. seine Zeit, hg. v. H. Pörnbacher (1968).
 
 3) Daniel, schweizerischer Filmregisseur, * Flims (Kanton Graubünden) 26. 12. 1941; Regieassistent bei P. Lilienthal; erste Regiearbeit 1969; auch Darsteller und Opernregisseur.
 
Filme: Schatten der Engel (1975); Violanta (1977); Worte kommen meist zu spät (1982); Der Kuß der Tosca (1984); Jenatsch (1987); Zwischensaison (1993); Das geschriebene Gesicht (1995; Dokumentarfilm).
 
 
D. S., bearb. v. P. Landgraf (Gümligen 21988).
 
 4) Eduard, Schriftsteller, Edschmid, Kasimir.
 
 5) Hermann von (seit 1876), Schriftsteller, * Waizenkirchen (bei Peuerbach) 30. 3. 1815, ✝ München 19. 10. 1880; lebte ab 1843 in München; Dramaturg und Direktor des Theaters am Gärtnerplatz. Autor von historischen Dramen, volkstümlichen Romanen und Volksstücken, die auf die Heimatkunstbewegung wirkten (u. a. »Almenrausch und Edelweiß«, 1864).
 
Ausgabe: Gesammelte Schriften, 50 Bände (1867-84).
 
 6) Samuel, schweizerischer Politiker, * Rüti bei Büren 8. 1. 1941; Notar; Mitglied der Schweizerischen Volkspartei (SVP); wurde am 19. 9. 1994 zum Nationalrat gewählt und war 1998-99 Fraktionspräsident der SVP; er gilt als innenparteilicher Gegner des Politikstils von C. Blocher. Schmid wurde am 6. 12. 2000 (als Vertreter des Kantons Bern und als Nachfolger von A. Ogi) Bundesrat und Leiter des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS; Amtsantritt: 2001).
 
 7) Wilhelm, klassischer Philologe, * Künzelsau 24. 2. 1859, ✝ Tübingen 6. 11. 1951; wurde 1893 Professor in Tübingen, bearbeitete seit 1908 mit O. Stählin im »Handbuch der klassischen Altertumswissenschaft« W. von Christs »Geschichte der griechischen Literatur«.
 
Werke: Der Atticismus in seinen Hauptvertretern. .., 4 Bände und Registerband (1887-97); Untersuchung zum gefesselten Prometheus (1929).
 
Herausgeber: Aristidis qui ferentur libri rhetorici II (1926).
 
 8) Wolfgang, klassischer Philologe, * Moers 3. 7. 1913, ✝ Köln 23. 11. 1980; wurde 1950 Professor in Bonn und setzte sich v. a. mit römischer Dichtung, hellenistisch-römischer, besonders epikureischer Philosophie und mit der Patristik im Rahmen der spätantiken Literatur auseinander.
 
Werke: Ethica Epicuraea (1939); Epikur, in: Reallexikon für Antike und Christentum, herausgegeben von T. Klauser, Band 5 (1962).
 
Herausgeber: H. Usener: Glossarium Epicureum (1977, mit M. Gigante).
 
Ausgabe: Ausgewählte philologische Schrr., herausgegeben von H. Erbse u. a. (1984).

Universal-Lexikon. 2012.

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